Emil Rysler - Architekt SIA: Publikationen im Gesundheitswesen



Beachten territoriale Grundbedürfnisse im Patientenzimmer


Das Beachten territorialer Grundbedürfnisse spielt besonders im privatesten Teil, dem knapp bemessenen Patientenzimmer, eine grosse Rolle. Ich meine damit die unauffällige Mithilfe bei der Ordnung des persönlichen Umfelds der Patienten, aber auch der Pflegenden und der Besucher. Der Architekt kann den Mikrokosmos des Patientenzimmers räumlich so strukturieren, dass eine objektiv wie subjektiv wahrnehmbare territoriale Ordnung entsteht, die mit den sozialen Bedürfnissen der Patienten in Einklang steht. Die an sich komplexe Überlagerung von Nutzungen innerhalb des Zimmers lässt sich auf eine Grundbeziehung zwischen den dem Patienten naheliegenden Dingen: Bett, Patientenschrank und Decke reduzieren, die durch ihre Anordnung gegenüber aussen den persönlichen Nahbereich definieren (Bild 6). Dazu gehört auch eine möglichst für alle Betten gleichwertige Zone zum Empfang von Besuchern, ein vom Patienten kontrollierter halböffentlicher Bereich. Weitere Stufen des Übergangs von Privat zu Öffentlich können durch die Ausbildung von Decke, Fassade und Sanitärraum hervorgehoben werden. Da eine solche Raumstruktur vom einzelnen Bett ausgeht, kann sie gleichermassen für Ein– wie für Mehrbettzimmer gelten, was eine hohe Flexibilität in der Belegung der Zimmer ermöglicht. Sie lässt sich ohne zusätzliche Mittel realisieren.

Bild 6:
Die dem Patienten naheliegenden Dinge: Bett, Patientenschrank und Decke, definieren durch ihre Anordnung gegenüber aussen den persönlichen Nahbereich



Durch die klare Absteckung seines Reviers und den Ausschluss von Überschneidungen im Nahbereich gewinnt der Patient die Kontrolle über seine sozialen Interaktionen. Er erkennt sein “Territorium” und kann es durch die Plazierung seiner persönliche Effekten in “Besitz” nehmen. Eine kluge Zonierung mildert auch den Widerspruch zwischen dem Wunsch der Patienten nach Privatheit und der Notwendigkeit des uneingeschränkten Zugangs für die Pflege.


Bild 7:
Ist das Grundelement definiert, lässt es sich zu den verschiedensten Zimmerformen gruppieren.


Siehe auch:
Wandel bei den Patientenzimmern
Kantonsspital Chur
Cardiocentro Ticino




 

© Rysler - 17.11.2001